The Proof of the Pudding is in the Eating

01.04.2025

KI-Einführung in kleinen Schritten

Ein englisches Sprichwort sagt: "The proof of the pudding is in the eating." Frei übersetzt bedeutet das etwa: Probieren geht über Studieren

Man muss den Pudding kosten, um zu wissen, ob er schmeckt. Genauso ist es mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Unternehmen – nur durchs Ausprobieren erkennt man den echten Nutzen.

Nicht auf den großen Wurf warten

Viele Unternehmen zögern noch mit der Einführung von KI. In Vorstandsetagen und Management-Meetings wird zwar viel über KI-Potentiale diskutiert, doch oft wartet man auf die eine perfekte, umfassende Lösung. Dieses Zögern ist verständlich – niemand will riskante Fehlinvestitionen. Aber während man auf den "großen Wurf" wartet, ziehen andere vielleicht schon vorbei. Eine aktuelle Umfrage zeigt beispielsweise, dass zwar 96 % der Führungskräfte KI im Unternehmen einsetzen wollen, aber weniger als ein Drittel der Mitarbeitenden bisher überhaupt KI-Tools genutzt hat​

Vertrauen und Transparenz fehlen oft noch, was eine große Hürde für die Umsetzung ist​wolterskluwer.com. Mit anderen Worten: Die Theoriebegeisterung ist da, aber in der Praxis passiert zu wenig.

Der bessere Ansatz? Pragmatismus statt Perfektionismus. Anstatt den perfekten Masterplan monatelang auszufeilen, sollten Unternehmen einfach loslegen – gezielt, aber ohne Perfektionsdruck. KI lässt sich nicht in allen Facetten am Reißbrett durchplanen. Ängste und Unklarheiten im Umgang mit der Technologie lösen sich meist erst, wenn man sie praktisch erlebt. Wer immer nur theoretische Konzepte wälzt, tritt auf der Stelle. Die Devise sollte lauten: lieber kleine Schritte machen, als auf den großen Sprung zu warten.

Kleine Schritte, große Wirkung

Anstatt auf ein Mammutprojekt zu setzen, bewährt sich ein inkrementeller Ansatz. Pilotprojekte sind hier das Zauberwort. Oder wie es ein Branchen-Leitfaden ausdrückt: "Es ist wichtig, mit kleinen, überschaubaren KI-Projekten zu beginnen, die Experimente und Lernen ermöglichen. ... Erste Erfolge können den Wert von KI demonstrieren und eine positive Einstellung zur Thematik aufbauen"​

Mit anderen Worten: Keine Scheu vor einem kleinen Anfang – er kann viel bewirken.

Solche Pilotprojekte bringen mehrere Vorteile:

  • Geringeres Risiko: Ein kleines Projekt verursacht überschaubare Kosten und Auswirkungen. Wenn es schiefgeht, ist kein großer Schaden angerichtet – man hat wertvolle Erkenntnisse gewonnen und kann den Kurs korrigieren.

  • Schnelle Erfolge: Erste Quick Wins sind möglich. Schon ein erfolgreich automatisierter Arbeitsschritt oder ein funktionierender Prototyp zeigt den unmittelbaren Nutzen der Technologie und demonstriert den Wert von KI im Alltag​

    swissmem.ch. Solche Erfolgserlebnisse schaffen im Unternehmen Momentum und überzeugen Skeptiker.
  • Steile Lernkurve: Das Team baut Erfahrungswissen auf. Praktische Kompetenzen im Umgang mit Daten, Algorithmen und KI-Tools entstehen nur, wenn man wirklich damit arbeitet. Jede Iteration – ob erfolgreich oder nicht – liefert neue Lernmomente, die beim nächsten Projekt helfen.

Wichtig ist, diese Piloten von Anfang an an echten Geschäftsproblemen auszurichten. Suchen Sie gezielt nach Bereichen, in denen KI einen spürbaren Mehrwert liefern könnte, und setzen Sie dort den ersten "Probierlöffel" an. Dabei zeigt sich schnell, was funktioniert und was nicht. Vielleicht stellt sich heraus, dass die Datenqualität noch nicht reicht oder dass Mitarbeiter:innen mehr Schulung brauchen – all das sind wertvolle Erkenntnisse. Mit jedem kleinen Projekt bereitet man den Boden für größere KI-Initiativen vor. Der Pudding wird Stück für Stück gekostet, bis man das ganze Rezept versteht.

Erfahrung schlägt Unsicherheit

Theorien und Strategiepapiere sind geduldig – die Realität ist oft überraschend anders. Gerade bei einer so neuen Technologie wie KI gilt: Erfahrung schlägt Bauchgefühl. Viele Vorbehalte gegenüber KI – sei es die Angst vor Kontrollverlust, vor Fehlern der Maschine oder vor Veränderungen im Arbeitsalltag – relativieren sich, wenn man KI einmal in Aktion gesehen hat. Die abstrakte Sorge weicht konkreten Erkenntnissen.

Ein Team, das selbst einen KI-Prozess implementiert hat, versteht KI hinterher viel besser. Diese Erfahrungswerte kann keine noch so gute Präsentation ersetzen. Zudem fördert das aktive Tun eine Kultur des Ausprobierens. Mitarbeiter:innen erleben, dass ihre Stimme gehört wird, wenn sie Vorschläge für KI-Verbesserungen einbringen, und dass Fehler keine Katastrophe, sondern Teil des Lernprozesses sind. So entsteht schrittweise mehr Vertrauen – in die Technologie und in die eigene Fähigkeit, sie zu nutzen. Die oft zitierte "Black Box" KI wird transparenter, je mehr man sich mit ihr beschäftigt.

Natürlich heißt "einfach ausprobieren" nicht planloses Chaos. Kleine Schritte brauchen einen Rahmen: definierte Ziele, Messgrößen für den Erfolg und Plattformen, um die Ergebnisse intern zu teilen. Es empfiehlt sich, die Learnings aus jedem Pilotprojekt systematisch festzuhalten und im Unternehmen weiterzugeben. So wächst mit jedem Versuch nicht nur das technische Know-how, sondern auch die organisatorische Kompetenz, mit KI umzugehen. Ängste werden durch Fakten ersetzt: Wir wissen jetzt, was KI kann und was (noch) nicht – weil wir es selbst erlebt haben.

Fazit: Einfach den ersten Löffel nehmen

Am Ende läuft alles auf den eingangs erwähnten Spruch hinaus: The proof of the pudding is in the eating. Oder auf gut Deutsch: Probieren geht über Studieren. Für Unternehmen bedeutet das, in Sachen KI weniger zu grübeln und mehr zu machen. Starten Sie heute mit einem kleinen KI-Experiment, anstatt jahrelang Konzepte zu perfektionieren. Jeder noch so kleine praktische Schritt bringt Sie weiter als der hundertste Theorieworkshop. Der Weg zur KI-Transformation besteht aus vielen kleinen Löffeln voll Erfahrung.

Also: Nehmen Sie den ersten Löffel und probieren Sie es aus. Der Pudding steht bereit – jetzt gilt es, ihn zu kosten!​